Prof. Dr. med. Rainer Schäfert

Herausforderungen für Pflegende in der Betreuung von PatientInnen mit Anorexia nervosa

Stabilisierung von Anorexie-PatientInnen im akut-internistischen Setting birgt für Pflegende u.a. Beteiligte strukturelle und menschliche Herausforderungen. Neben dem Aufbau geeigneter Strukturen und Abläufe in und zwischen den Versorgungsstufen erfordert die notwendige Mitarbeiter-Qualifizierung einen kontinuierlichen Prozess von Verstehen des Erkrankungsbildes, Spezialisierung (ANP, Ressourcenpflegende), Teamsupport und Fallreflexion. Es gilt zu verstehen, dass gegenregulierende Massnahmen (Nahrungsrestriktion, Purging, Exercising) Teil des Störungsbildes und wesentliche Aspekte der Symptomatik ich-synton sind, weshalb die Behandlungsmotivation meist ambivalent ist. Reaktionen auf diese Herausforderungen werden entlang der Dimensionen «empathisches Mitgefühl» und «Engagement» systematisch differenziert. Unser interdisziplinärer und interprofessioneller Behandlungsrahmen versucht «gerade genug» Mitgefühl, Fürsorge, Kontrolle und konsistente Begleitung zu realisieren. 

Kurz-CV

Geboren 1971 in Burghausen/Oberbayern, studierte Schäfert Humanmedizin in Würzburg und München (LMU), wo er 2005 promovierte. Als Assistenzarzt war er am Bürgerhospital Stuttgart und am Universitätsklinikum Heidelberg tätig. 2009 erwarb er den Facharzttitel für «Innere Medizin», 2015 jenen für «Psychosomatische Medizin und Psychotherapie»; 2016 habilitierte er an der Universität Heidelberg. Seit 2017 ist Schäfert Chefarzt und struktureller Professor für Psychosomatik an Universitätsspital und Universität Basel. 

Forschungsschwerpunkte sind funktionelle Syndrome, Konsiliar-Liaison-Psychosomatik, Hypnotherapie und Psychoonkologie. Schäfert ist verheiratet und Vater dreier Kinder.